Linz

Tilman-Joël-Park

Tilman Joël war ein aus Linz am Rhein stammender kurfürstlicher Diplomat, Gesandter auf dem Konzil von Basel und Probst von St. Florin in Koblenz. In seiner Heimatstadt ist er als Stifter der Ratskapelle, des Marienaltars und des Gnadenstuhls unvergessen.

Tilman Joël wurde um 1395 als Sohn von Anton de Botis und Else Joel in eine wohlhabende und einflussreiche Linzer Ratsfamilie geboren. Sein Onkel Johannes Herbordi de Botis (gestorben 1418) stand als Doktor beider Rechte unter anderem in päpstlichen Diensten und war von 1397 bis zu seinem Tod Propst des Florinsstifts. Sein Bruder Wilhelm de Botis (gestorben 1429) war Abt des Zisterzienserklosters Marienstatt, seine Schwester Lucia Joël (gestorben 1448) Ehefrau des Linzer Ratsherrn und Bürgermeisters Jakob Ruysch. Zwei seiner Neffen dienten ebenfalls als kurfürstliche Kanzler.

Tilman Joël wurde 1420 nach kirchenrechtlichen Studien an der Universität Köln als junger Doktor Propst von St. Florin in Koblenz. Zu dieser Zeit stand er bereits in Diensten des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Otto von Ziegenhain, möglicherweise durch Vermittlung seines Onkels Johann Herbordi oder auch des ebenfalls aus Linz stammenden päpstlichen Schreibers Johannes Hachenberg. Im Oktober 1418 gehörte er zum Gefolge des neu gewählten Erzbischofs bei dessen Huldigung in der Stadt Koblenz, 1419 trat er erstmals offiziell als dessen Sekretär in Erscheinung und rückte bald zum Kanzler auf. Als kurtrierischer Diplomat bewährte sich Tilman Joël unter anderem 1423 bei Verhandlungen mit Herzog Adolf VII. von Berg (Regierungszeit 1408-1437, ab 1423 als Herzog von Jülich-Berg) bezüglich der Erbfolge in den Herzogtümern Geldern und Jülich und über viele Jahre als Gesandter am burgundischen Hof. Nach dem Tod Erzbischof Ottos 1430 diente Tilman Joël in den folgenden drei Jahrzehnten dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten Dietrich II. von Moers als kurfürstlicher Rat mit wechselnden Aufgaben. Ende 1432 reiste er in die Schweiz, um als einer der beiden Vertreter des Erzbischofs am Basler Konzil (1431-1449) teilzunehmen. 1434 erhielt er den Auftrag der Allgemeinen Deputation, in Konstanz den seit Jahren offen geführten Konflikt zwischen dem dortigen Domkapitel und Bischof Otto III. von Hachberg (Episkopat 1410-1434) zu schlichten. Als Mitglied von Konzilsgesandtschaften war er in den folgenden Jahren außerdem an den Hussitenverhandlungen, an der Beilegung des Mainzer Streits zwischen Stadt und Klerus, dem Ringen um die versuchte und letztlich gescheiterte Inkorporation des Bistums Paderborn in das Erzbistum Köln sowie der Schlichtung des Trierer Bistumsstreits beteiligt. Als König Albrecht II. (Regierungszeit 1438-1439) und die Kurfürsten ihre Neutralität im Streit zwischen Basler Konzil und Papst Eugen IV. (Pontifikat 1431-1447) erklärten, spielte Tilman Joël eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung der Beschlüsse.

Einen Höhepunkt in der diplomatischen Laufbahn Tilman Joëls bildete seine Ansprache an Friedrich III. (Regierungszeit 1440-1493, seit 1452 als römisch-deutscher Kaiser), die er als Mitglied der kurfürstlichen Wahlgesandtschaft in Wien an den neu gewählten König richtete und die seine bedeutende Position als außen- und kirchenpolitischer Berater Dietrichs II. von Moers widerspiegelt. Auch bei der Krönung Friedrichs 1442 in Aachen durch den Kölner Erzbischof spielte Tilman als Zeremonienmeister eine wichtige Rolle. In weiteren diplomatischen Missionen diente er seinem Landesherrn als Prokurator und Gesandter bei König Heinrich VI. von England (Regierungszeiten 1422-1461, 1470-1471), als Vermittler auf den Friedenskonferenzen zur Beilegung der Soester Fehde oder Berater bei den Verhandlungen zur Erblandesvereinigung mit dem Herzogtum Jülich-Berg.

Tilman Joël traf häufig auf Nikolaus von Kues, den er bereits seit seiner Tätigkeit als Diplomat Ottos von Ziegenhain kannte. Eng zusammen arbeitete er auch mit seinem Neffen Johannes Ruysch, genannt Joel. Tilman hatte den drei Söhnen seiner Schwester Lucia den Universitätsbesuch ermöglicht und ihnen den Weg in einflussreiche Positionen geebnet. Der älteste Sohn Johannes trat 1439 in die Dienste Dietrichs II. von Moers und stieg dort zum Kanzler auf. Seit 1442 war er außerdem Rektor der Linzer Pfarrkirche. Jakob Ruysch diente ab 1441 dem Trierer Erzbischof Jakob I. von Sierck als Kanzler und erscheint zeitweise in der Rolle eines königlichen Protonotars. Der jüngste Bruder Peter Ruysch übernahm 1442 das Amt eines Prokurators der Deutschen Nation an der Universität Bologna.

Seiner Heimatstadt Linz blieb Tilman Joël zeitlebens eng verbunden. Mehrfach griff er ihr mit Krediten unter die Arme und setzte sich in seinen letzten Lebensjahren mit großzügigen Kunststiftungen ein Denkmal. Auf dem Marktplatz ließ er die 1462 geweihte Marienkapelle errichten (meist Rats- oder Marktkapelle genannt, 1818 abgebrochen) und sorgte für eine reichhaltige Ausstattung und Dotierung. Darunter von besonderer Bedeutung sind zwei bis heute erhaltene spätgotische Altarbilder, ein dreiflügeliger Marienaltar (seit 1967 Hauptaltar der Linzer Marienkirche) und der so genannte Gnadenstuhl, beide dem Kölner Meister der Lyversberg-Passion zugeschrieben. An der Annahme, beide Werke seien Stiftungen Tilman Joëls, gibt es seit der Restaurierung vor wenigen Jahren jedoch Zweifel.

Da die Stifterdarstellungen und die Wappen auf Triptychon und Gnadenstuhl nicht identisch sind, geht die neuere Forschung davon aus, dass Tilman Joël Stifter des Gnadenstuhls und dessen Neffe Johannes Ruysch Stifter des Marienaltars war.

Tilman Joël starb am 31.1.1461 in Köln und wurde dort vor dem Katharinenaltar der Stiftskirche St. Andreas begraben. Nach ihm ist in Linz am Rhein der Tilmann Joël-Park an St. Martin benannt.

Fotos: © Thomas Müller