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Impuls

Text vergessen

Auf der Intensivstation liegt ein Mann im Sterben. Die Angehörigen möchten, dass er von jemandem von der Krankenhausseelsorge einen Segen bekommt, also gehe ich hin. Er ist nur ein Jahr älter als ich, aber man sieht ihm an, dass er schwer krank ist. Seine Frau ist da, der Sohn mit Partnerin, die Tochter, und sie haben grade gehört, dass wirklich nichts mehr zu hoffen ist. Es kann noch dauern, aber heute oder morgen oder übermorgen wird er versterben; er hat sich schon auf den Weg gemacht.

Er war katholisch, aber kein Kirchenläufer, wie mir die Frau erzählt. Deshalb will sie auch nicht, dass er das volle "katholische Programm"  bekommt, die Krankensalbung, die Sterbesakramente. Sie möchte einfach, dass jemand ihn segnet für den Weg.

Ich versuche, die richtigen Worte zu finden, um die Gedanken der Familienangehörigen vor Gott zu tragen.

Dann lade ich alle ein, das Vaterunser zu beten. Im Raum ist es andächtig, alle schauen auf den Patienten. Es ist aber nicht ganz leicht, das Draußen auszublenden. Die Tür steht offen, nebenan knallt der Putzwagen gegen die Wand, Stimmen rufen auf dem Flur. Dann kommt ein Arzt ins Patientenzimmer. Glücklicherweise merkt er sofort, dass wir beten, und stellt sich schweigend an die Tür. Überall bimmelt es … Intensivstation eben. Das lenkt mich für einen Moment ab und mir geht der Text aus. Wie geht es nochmal weiter nach: "Wie im Himmel, so auf Erden"?

Mein Blick fällt auf die Tochter. In aller Ruhe betet sie "unser tägliches Brot gib uns heute". Ja klar, ich stimme in die Worte ein, und wir beten gemeinsam zu Ende. Im Rausgehen denke ich: Gut, dass ich hier nicht allein beten musste.

Gut, dass wir Christen verbunden sind in diesem Gebet.
Dafür brauche ich die Gemeinschaft, brauche ich die Kirche:
wenn mir mal der Text ausgeht, dann beten die anderen für mich mit.

(c) Mechthild Peters (Oktober 2018)