Rheinbrohl

Hochkreuz neben der Pfarrkirche

Neben der katholischen Pfarrkirche St. Suitbert findet man eine Kreuzigungsgruppe mit überlebensgroßen Figuren.

Das Hochkreuz stellt den leidenden Christus dar, um dessen Haupt die Dornenkrone gebunden ist. Die Füße sind von einem Nagel gehalten, die Last des Körpers reißt an den von Nägeln zerrissenen Händen, die Rippen treten deutlich hervor und die Knie lösen sich vom Kreuzesstamm.

Erhaben bringt die Gottesmutter das Leid, den Schmerz des bitteren Erlebnisses zum Ausdruck.

Daneben Johannes, nicht wie wir ihn aus älteren Darstellungen kennen, sondern als gefaßten Mann, empört über die Grausamkeit der Menschen.

Im März 1945 war Rheinbrohl in den unmittelbaren Frontbereich geraten und lag zehn Tage unter schwerem Artilleriefeuer. Vor dem Einzug amerikanischer Truppen erfolgte noch ein schwerer Bombenangriff. Ein Volltreffer zerstörte den Chor der katholischen Pfarrkirche St. Suitbert, das herabfallende Chorgewölbe zerschlug den Hochaltar.

1946 war die Wiederherstellung der Kirche soweit abgeschlossen, daß man sich um die Gestaltung eines neuen Hochaltars machen konnte. Mit dem Flüchtlingsstrom der Menschen aus dem Osten kam auch Pater August Nierling SVD aus Breslau nach Rheinbrohl. Er nahm als Hausgeistlicher im Krankenhaus seinen Dienst auf, zu seinem Lebensunterhalt arbeitete er zusätzlich bei der Firma Mannesmann in Hönningen im Feuerfestwerk. Neben seinem Theologiestudium hatte er auch ein Studium als Maler und Bildhauer abgeschlossen. So bot er sich mit Freunden an, den Neuaufbau des Hochaltars zu übernehmen. Die Firma Mannesmann stellte die materiellen und technischen Voraussetzungen.

Auf Bitten des Pastors entwarf er eine Kreuzigungsgruppe, die auch die Zustimmung der Gremien fand. Da der Brennofen recht klein war, mußte die Figurengruppe aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden. 

Das Kreuz aus Metall wurde bei der Hilgers AG hergestellt.

Die Kreuzigungsgruppe wurde als Rückwand auf dem erhaltenen Altartisch aufgestellt und konnte am Kirmessonntag, dem 1. September 1946 feierlich eingesegnet werden.

Die Akzeptanz der groß dimensionierten Figuren, der schmalen, steilen Gruppierung, war von Anfang an bei den Kirchenbesuchern umstritten. Trotz verschiedener Erklärungsversuche des Pastors versetzte man das moderne Kunstwerk nach draußen, wo es bis heute zwischen zwei alten Grabsteinen steht.

Ebenfalls von P. Nierling sind die Pietà im Bildstock Ecke Schul- und Vogtstraße, sowie eine aus Privatbesitz stammende Madonnenfigur im Inneren der Pfarrkirche. 

Schaefer, Hansfried, Das Hochkreuz an der Rheinbrohler Pfarrkirche, Heimat- und Jahrbuch 2003 Landkreis Neuwied, S.126ff

Fotos: © Thomas Müller