Neuwied - Feldkirchen

Feldkirche

Die Siedlungsplätze Gönnersdorf, Hüllenberg, Wollendorf, Rodenbach, Fahr und Irlich bestanden bereits zur Zeit des Fränkischen Reiches. Sie sind mindestens seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. durch fränkische Bauernfriedhöfe archäologisch belegt. Abseits der Siedlungen baute man zu jener Zeit Feldkirchen, die als Pfarrkirchen für einen weiten Umkreis von Dörfern dienten.

Die Sage berichtet von der Gründung der Feldkirche folgendes: Ursprünglich sei der Bau einer steinernen Kirche in Irlich beabsichtigt gewesen. Die Ochsen der ersten, mit Bruchsteinen beladenen Wagen hätten jedoch an der Stelle der heutigen Feldkirche den Dienst verweigert. Man habe dies dann als ein göttliches Zeichen angesehen, den Bau an dieser Stelle zu beginnen.

Die frühesten steinernen Mauerreste, die anlässlich von Restaurierungsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurden, lassen sich auf das 10. Jahrhundert datieren. Zu diesem Zeitpunkt bestand ein einfacher Kirchenraum von etwa 10 m × 6 m. Um 1100 wurde dieser Bau dann um einen rechteckigen Chor erweitert.

Die heutige Steinkirche wurde zwischen 1150 und 1200 errichtet und ist eine Stiftung des Augustinerinnenklosters St. Thomas bei Andernach, das über umfangreiche Ländereien auf der dem Kloster gegenüberliegenden Rheinseite in Fahr und Gönnersdorf verfügte. Sie ist ursprünglich als flach gedeckte Pfeilerbasilika ohne Querschiff erbaut worden und war St. Martin geweiht. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts wurden Chor und Mittelschiff überwölbt.

Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde beginnt mit dem Übertritt des Grafen Hermann von Wied, Kurfürst und Erzbischof von Köln, zur Reformation unter dem Einfluss des Straßburger Reformators Martin Butzer. Er berief Geistliche aus Sachsen, die am Rhein das reformierte Evangelium predigten. Nach seinem Tod auf Burg Altwied trat sein Neffe Johann IV. die Nachfolge in der Regierung der Grafschaft an, der als der eigentliche Reformator der Grafschaft Wied angesehen wird. Nach seinem Regierungsantritt bekannte er sich öffentlich zur Confessio Augustana und vollendete zwischen 1542 und 1546 – nicht ohne Konflikte mit den Erzbistümern Trier und Köln – die Reformation in seinem Herrschaftsbereich. Der erste evangelische Pfarrer in der Feldkirche, von dem wir wissen, dürfte ein „Ludwig Luitzgin, genannt von Northofen, Kirchherr zu Veltkirgen“ gewesen sein, der in einer Gerichtsurkunde von 1552 erwähnt wird.

Im Dezember 1944 zerstörte ein Bombentreffer den Chorraum und richtete Schäden am Dach und im Innenraum an. Bereits 1948 begann man mit der Bausicherung und umfassenden Außenrestaurierung, die 1952 abgeschlossen wurde. 1975 bis 1978 erfolgte dann die Innenrestaurierung und Ausmalung des Kirchenraumes nach Resten der Originalbemalung aus dem 13. Jahrhundert, die man noch unter mehreren Farbschichten erkennen konnte.

Der Baukörper ist, wie bei alten Kirchen üblich, ost-west-orientiert. Im Osten befindet sich der mit einer halbrunden Apsis abgeschlossene Langchor, im Westen der massive 34 Meter hohe Turm. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Fassade von Kirche und Turm verputzt und weiß gekalkt. Heute ist an allen Außenwänden das Bruchsteinmauerwerk sichtbar, betont mit fein ausgearbeiteten Ecksteinen und Lisenen aus hellem Mendiger Tuffstein.

Chor und Apsis – nach den Schäden des Zweiten Weltkrieges vollständig rekonstruiert – bestehen aus sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern. Das Mauerwerk ist mit Lisenen gegliedert und zum Dach hin mit verzierten Blendarkaden abgesetzt.

Der Haupteingang in der Nordfassade – er liegt heute etwa einen Meter unter dem Bodenniveau – wird von wuchtigen Tuffsteinpfeilern eingerahmt, in den Sturz ist ein romanisches Kreuz im Kleeblatt eingemeißelt. Gegenüber, in der Südfassade, gibt es einen weiteren Eingang, der jedoch schlichter gehalten ist.

Nach den Beschädigungen des Zweiten Weltkrieges hat man das Dach saniert und die Kirche mit Naturschiefer aus Mayen vollständig neu eingedeckt.

Rundstäbe ausgebildet und farbig betont, ebenso die Schlusssteine mit Zapfen. Das Mittelschiff wird von sechs massiven, quadratischen Pfeilern getragen. Jedem Joch des Mittelschiffes entsprechen zwei Joche der Seitenschiffe. Die Jochgrenze wird durch jeweils eine Lisene angezeigt. Das untere Geschoss der beiden Seitenschiffe wird mit je vier Kreuzgratgewölben überdeckt. Die darüber befindliche Empore wurde um 1500 errichtet und wird von Kreuzrippengewölben abgeschlossen, deren reich verzierte Schlusssteine das wiedische Wappen, ein Marienbild sowie (möglicherweise) Stifter-Symbole zeigen. Die Seitenschiffemporen sind mit vier kleineren, reich geschmückten und bemalten Rundbogen zum Mittelschiff hin geöffnet. Dies entspricht dem Bauzustand seit Beginn des 16. Jahrhunderts.

Der Fußboden aus den Nachkriegsjahren besteht im Chor aus polygonalen Schieferplatten und im Hauptraum aus quadratischen Basaltfliesen.

Als Abendmahltisch dient heute die große, reich verzierte, barocke Basalt-Grabplatte des Schultheißen Mathias Kreckel, verstorben am 22. April 1664. In der Apsis findet der romanische Taufstein aus schwarzem Basalt Platz.

Der im Außenmaß 7,50 × 6,50 Meter messende Turm ist um 1200 an der Westseite an den Kirchenraum angebaut worden und mit einem Rhombendach aus Schiefer gedeckt. Er hat vier aus Bruchsteinen gemauerte Stockwerke, die durch Gesimse und nach oben hin kleiner werdende Blendbögen aus hellem Tuffstein abgegrenzt sind. In den fünfziger Jahren gesicherte Farbreste zeigen, dass zumindest die Ecken und Rundbögen ursprünglich farbig angelegt waren. In allen Geschossen befinden sich Fensteröffnungen unterschiedlicher Größe. Die Fenster der unteren Stockwerke sind lediglich Schlitzfenster. Die Fenster im 4. Stockwerk sowie die Schallöffnungen in den Giebeln sind Triforienfenster mit zwei Mittelsäulen aus schwarzem Basalt. 1934 wurde die zwei Meter dicke Ostwand des Turmes durchbrochen und das Untergeschoss in den Kirchensaal integriert. In der Glockenstube hängen zwei Bronzeglocken; die größere von 1589, dem Heiligen Martin gewidmet, eine Stiftung der Grafen zu Wied und die kleinere von 1717, der Heiligen Maria gewidmet, die offenbar später von einer katholischen Kirche angekauft wurde.

1894 wurde eine Turmuhr angebracht und 1959 durch eine elektrische Uhr ersetzt.

„Feldkirche (Neuwied)“. Wikipedia, 14. Februar 2018. de.wikipedia.org/w/index.php aufgerufen am 01.04.2018